Walker Evans (1903 - 1975)Schwarz-weiß Fotos aus dem Amerika der dreißiger Jahre
Berühmt wurde der amerikanische Fotograf mit seinen Fotos über die große Depression in den USA. Klare Bilder des Alltags bedeuteten für ihn die Kunst des Ablichtens.
Charakteristisch für Walker Evans war seine schnörkellose Fotografie. Ohne künstlerisches Beiwerk hielt er das Alltagsleben von Menschen fest und brachte dabei bemerkenswerte fotografische Kunstwerke hervor. Er war der Auffassung, dass die Menschen seiner Zeit, ohne es vieleicht zu wissen, während ihres Lebens Kunst erzeugen. Sein Meisterwerk war zweifelsohne die Dokumentation der amerikanischen Landarbeiter zur Zeit der großen Depression. WerdegangZu Beginn seiner beruflichen Laufbahn wollte Evans zunächst Schriftsteller werden und zog zu diesem Zweck aus den USA nach Paris um. Dort war er jedoch recht erfolglos und ging zurück nach New York, wo er sich als kleiner Angestellter einer Börsenmaklerfirma durchschlug. Er merkte schnell, dass er sich etwas neues suchen mußte, denn diese Arbeit befriedigte ihn nicht. So begann er 1928 mit der Fotografie. Wichtig war ihm, unkünstlerisch zu arbeiten, er wollte seine Bilder unverstellt widergeben. Mit Großbildkamera begann er zunächst Kleinstädte und Metropolen in den Vereinigten Staaten aufzunehmen. Zusammen mit seinem Kollegen Lincoln Kirstin fotografierte er 1931 viktorianische Häuser in Boston. Ein Ausflug in die Werbefotografie zu dieser Zeit blieb ohne Erfolg. Sein Metier war das von Land und Leuten, von Architektur und Alltagsleben. Erfolgreicher war er daher für die Zeitschrift "The Crime of Cuba". Er erhielt den Auftrag, Veränderungen im Leben Kubas festzuhalten. Mit einer Vielfalt von Bildern kehrte er zurück, Hafenarbeiter, Kinos, Huren, Zuckerrohrplantagen, Zeitungsjungen und Kirchengeräte. Fotograf für Security Administration (FSA)In den Jahren 1935/36 kamen wohl seine eindrucksvollsten und berühmtesten Aufnahmen zustande. Die FSA sollte im Auftrag des Bundes die Armut der ländlichen Bevölkerung während der großen Depression dokumentieren. Evans gehörte zu einem der beauftragten Fotografen, welchen man jeweils bestimmte geographische Gebiete zuwies. Bei seiner Reise durch die Staaten Louisiana, South Carolina, Georgia, Mississippi und Alabama hielt er das einfache Leben, die Lebensumstände fest. Da waren abgerissene Zirkus- und Filmplakate, leerstehende abbruchreife Häuser, Alltagsgegenstände der Bevölkerung, Bilder aus Schwarzenvierteln, Holzkirchen für Weiße, Holzkirchen für Schwarze, viele einzelne Gesichter, Aufnahmen aus Innenräumen. Ausstellung im Museum of Modern Art Die Arbeit über die große Depression brachte ihm Ruhm ein, so dass ihm das Museum of Modern Art 1938 eine Ausstellung widmete, und er war der erste Fotograf, welchem das Haus eine Einzelausstellung einräumte. Es offenbarte sich eine düstere Darstellung des damaligen Amerika. Arbeit mit der KnopflochkameraWährend seiner Tätigkeiten mit der Großbildkamera hatte Evans zwar Kontrolle über Schärfemöglichkeiten und Perspektive und konnte so die Bilder entscheidend gestalten. Was er offensichtlich störend empfand, war die Tatsache, dass er als Fotograf stets wahrgenommen wurde. Also entschied er sich für eine neue Taktik und wollte unerkannt bleiben. Mit einer unter seinem Mantel versteckten Kleinbildkamera knipste er aus dem Verborgenen, auch durch sein Knopfloch hindurch. Nachteil war, er konnte den Bildausschnitt und -aufbau schwer bestimmen und mußte sich genau auf Bewegungskreis seiner Objekte einstellen. Bemerkenswerte Aufnahmen sind dadurch in der New Yorker U-Bahn entstanden. 1945 bis 1965 war er für das Wirtschaftsmagazin Fortune tätig, wo er oftmals Themen aus seinem persönlichen Interessensgebiet bearbeitete, wie eine Dokumentation über Wollwebereien. Später war er Professor für Fotografie an der Universität Yale.
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